Unfruchtbarkeit bei Frauen: Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und wann man einen Arzt aufsuchen sollte
Das Wichtigste auf einem Blick
- Das Hauptanzeichen für Unfruchtbarkeit bei Frauen ist die Unfähigkeit, schwanger zu werden. Wenn du aber kein Baby planst, können Schmerzen im Beckenbereich oder ungewöhnliche Menstruationszyklen ebenfalls auf Unfruchtbarkeit hinweisen.
- Die Hauptursache dafür, dass manche Frauen nicht schwanger werden können, ist ein Problem mit dem Eisprung. Ohne Eisprung gibt es keine Eizellen, die befruchtet werden können.
- Es gibt eine Reihe von Methoden zur Abklärung von Unfruchtbarkeit bei Frauen, angefangen bei einer körperlichen Untersuchung bis hin zu Blutuntersuchungen.
- Auch die Behandlungsmöglichkeiten für Unfruchtbarkeit sind vielfältig. Sie hängen von der Art des Problems, deinem Alter und deiner Krankengeschichte ab. Die Gesamtwahrscheinlichkeit für einen Behandlungserfolg liegt bei etwa 50 Prozent.
Unfruchtbarkeit bei Frauen wird diagnostiziert, wenn nach einem Jahr ungeschütztem Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft eingetreten ist.1 Wenn du älter als 35 Jahre bist, hast du in der Regel bereits nach sechs Monaten des Versuchs, schwanger zu werden, Anspruch auf eine Fruchtbarkeitsbehandlung. Die weibliche Fruchtbarkeit nimmt mit zunehmendem Alter stetig ab, da die Eierstöcke immer weniger Eizellen freisetzen können.
In Europa haben etwa 15 Prozent der Paare Schwierigkeiten, schwanger zu werden.2 In 30 Prozent der Fälle liegen die Fruchtbarkeitsprobleme bei der Frau. Die übrigen 60 Prozent verteilen sich zu gleichen Teilen auf den Mann oder beide Partner. In etwa jedem zehnten Fall lässt sich keine Ursache feststellen, sodass die Ursache der Unfruchtbarkeit als „ungeklärt“ oder „idiopathisch“ bezeichnet wird.3
Das Hauptanzeichen für Unfruchtbarkeit ist die Unfähigkeit, schwanger zu werden. Doch auch wenn du nicht versuchst, ein Kind zu bekommen, sollst du auf bestimmte Symptome achten, die ebenfalls auf Unfruchtbarkeit hindeuten können. Zu diesen Anzeichen gehören Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, sehr dunkles oder blasses Menstruationsblut sowie unregelmäßige Menstruationszyklen mit starken, langen oder schmerzhaften Blutungen.4
Wie Babys entstehen – eine kurze Erklärung
Entgegen der landläufigen Meinung stehen die Chancen auf eine Schwangerschaft ohnehin nicht gut. Ein junges, fruchtbares Paar hat eine Chance von eins zu fünf, innerhalb eines Monats schwanger zu werden.5
Dieses Fruchtbarkeitsfenster (der Zeitraum, in dem eine Empfängnis stattfinden kann) dauert in jedem Zyklus nur wenige Tage: 48 Stunden während des Eisprungs sowie einige zusätzliche Tage, in denen Spermien im weiblichen Reproduktionstrakt überleben können. Mehr über das Fruchtbarkeitsfenster und wie du dein eigenes berechnen kannst, erfährst du in unserem Artikel hier.
Der Reproduktionsprozess selbst ist zudem komplex, empfindlich und duldet keine Fehler.6 Bevor wir uns also damit befassen, was Unfruchtbarkeit verursachen kann, wollen wir zunächst dein Wissen darüber auffrischen, „wie Babys entstehen“. So läuft es ab:
- Ein Eierstock gibt eine reife Eizelle frei.
- Die Eizelle wird vom Eileiter aufgenommen.
- Spermien schwimmen durch die Scheide und den Gebärmutterhals, durch die Gebärmutter und werden in den Eileiter befördert, um die Eizelle zu erreichen.
- Die befruchtete Eizelle wandert durch den Eileiter in die Gebärmutter. Der Transport durch den Eileiter dauert etwa 30 Stunden.
- Etwa fünf bis sechs Tage nach der Befruchtung nistet sich der Embryo in die Gebärmutterschleimhaut ein und wächst.
Ursachen für Unfruchtbarkeit
Der Hauptgrund, warum manche Frauen nicht schwanger werden können, ist ein Problem mit dem Eisprung. Ohne Eisprung gibt es keine Eizellen, die befruchtet werden können.
Der Eisprung findet statt, wenn ein Teil des Gehirns, die sogenannte Hypophyse, Hormone ausschüttet, die den Eisprung anregen. Diese Hormone weisen die Eierstöcke an, Follikel zu bilden und indirekt Östrogen zu produzieren, das für die Verdickung der Gebärmutterschleimhaut sorgt. All dies bereitet den Körper auf eine mögliche Schwangerschaft vor.7
Übermäßiger Stress sowie eine erhebliche Gewichtszunahme oder -abnahme können die Produktion dieser Hormone stören, den Eisprung beeinträchtigen und damit die Fähigkeit zur Empfängnis beeinträchtigen.8
Die Hypophyse kann auch eine übermäßige Produktion von Prolaktin verursachen – einem Hormon, das während der Schwangerschaft und nach der Geburt das Wachstum der Brüste und die Milchbildung bewirkt. Ein zu hoher Prolaktinspiegel kann zu Unfruchtbarkeit führen, indem er den Eisprung unterbricht oder zum Erliegen bringt.9
Die Alterung der Eizellen ist ein weiterer wichtiger Faktor für die Fruchtbarkeit. Eine Frau wird mit ihrem gesamten Eizellvorrat geboren, und mit der Zeit verlieren diese Eizellen an Qualität. Die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft bei einer 40-jährigen Frau beträgt nur noch 5 Prozent pro Menstruationszyklus.10
Das polyendokrine metabolische Ovarialsyndrom (PMOS, früher als polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) bekannt) ist ebenfalls eine häufige Ursache für Unfruchtbarkeit bei Frauen.
Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, bei der sich in den Eierstöcken zahlreiche kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen (Follikel) bilden. Diese „Bläschen“ geben möglicherweise keine Eizellen frei, was wiederum den Eisprung beeinträchtigt. Frauen mit PMOS haben oft unregelmäßige Blutungen oder bleiben ganz ohne.11
Die Befruchtung findet statt, wenn die Spermien auf die Eizelle treffen, während diese den Eileiter hinabwandert. Ist der Weg versperrt oder vernarbt, können die Spermien Probleme haben, die Eizelle zu erreichen, oder – falls dies doch gelingt – kann die befruchtete Eizelle auf ähnliche Hindernisse stoßen, wenn sie in die Gebärmutter gelangen soll. Frühere Operationen im Bauch- oder Beckenbereich oder sexuell übertragbare Infektionen können zu Verstopfungen oder Schäden an den Eileitern führen.
Myome (das sind gutartige Tumore in der Gebärmutter) oder eine übermäßige Vermehrung der Gebärmutterschleimhaut können ebenfalls die Einnistung der Eizelle in die Gebärmutter behindern. Sie treten bei fünf bis zehn Prozent der unfruchtbaren Frauen auf.12 Myome, die die Fruchtbarkeit eher negativ beeinflussen, wachsen in der Gebärmutterhöhle und sind größer als 6 Zentimeter.13
Ein weiterer Grund für Unfruchtbarkeit ist die Endometriose – eine Erkrankung, bei der Gewebe, das dem Gewebe der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst. Es kann die Eileiter und die Eierstöcke schädigen und die Vereinigung von Eizelle und Spermium verhindern. Selbst wenn die Endometriose die Reproduktionsorgane nicht schädigt, kann sie dennoch die Befruchtung, das Embryonenwachstum und die Einnistung beeinträchtigen. Schätzungen zufolge leiden etwa 10 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter an Endometriose.14
In jedem zehnten Fall ist die Ursache der Unfruchtbarkeit unklar und lässt sich nicht diagnostizieren. Die Erkrankung kann sich mit der Zeit von selbst zurückbilden – doch du muss nicht untätig abwarten. Wenn du Schwierigkeiten hast, schwanger zu werden, überlegeüberlege die Möglichkeiten der assistierten Reproduktion.
Wann solltest du zum Arzt gehen?
Apropos Ärzte und Spezialisten – es wird empfohlen, nach einem Jahr erfolgloser Versuche, schwanger zu werden, einen Arzt aufzusuchen. Frauen, die 35 Jahre oder älter sind, können bereits früher Hilfe in Anspruch nehmen, in der Regel nach sechs Monaten des Versuchs. Wenn bei dir oder deinem Partner bereits Fruchtbarkeitsprobleme aufgetreten sind, besteht möglicherweise auch die Möglichkeit, früher mit einer Behandlung zu beginnen.
Wie wird Unfruchtbarkeit diagnostiziert?
Es gibt verschiedene Methoden, mit denen medizinisches Fachpersonal Unfruchtbarkeit bei Frauen untersucht. Ausgangspunkt sind die körperliche Untersuchung und Blutuntersuchungen, mit denen die Spiegel der Ovulationshormone bestimmt werden. Um die Ursache genau zu ermitteln, führt der Fertilitätsarzt möglicherweise auch Ultraschalluntersuchungen durch oder entnimmt eine Probe des Zervixschleims. Diese Flüssigkeit spielt eine grundlegende Rolle beim Empfängnisprozess, da sie die Spermien auf ihrem Weg zur Eizelle versorgt.
Ein weiteres Verfahren, das Ärzte zur Diagnose von Unfruchtbarkeit einsetzen, ist die Hysteroskopie. Bei diesem Eingriff untersucht ein Chirurg mithilfe eines dünnen Schlauchs das Innere des Gebärmutterhalses und der Gebärmutter. Das Gerät wird durch die Scheide eingeführt und ermöglicht einen direkten Blick in die Gebärmutterhöhle. Mit der Hysteroskopie lassen sich Veränderungen in der Gebärmutter effektiv erkennen, die die Einnistung oder das Wachstum des Embryos beeinträchtigen könnten.15
Wenn diese und andere Fruchtbarkeitstests keine schlüssigen Ergebnisse liefern, kann eine Laparoskopie durchgeführt werden.16 Bei der Laparoskopie führt ein Chirurg ein teleskopartiges Instrument durch einen kleinen Schnitt im Bauch ein. Das Gerät ist mit einer Lichtquelle und einer kleinen Kamera ausgestattet, die es dem Chirurgen ermöglichen, das Becken, die Gebärmutter, die Eileiter und die Eierstöcke auf mögliche Verstopfungen, Narbengewebe oder Endometriose zu untersuchen.
Behandlungen: Medikamente, Operationen und assistierte Befruchtung
Obwohl die Reproduktionsmedizin große Fortschritte gemacht hat, garantiert sie keineswegs eine Schwangerschaft. Die Gesamtwahrscheinlichkeit für einen Behandlungserfolg liegt bei 50 Prozent.17 Die Erfolgsrate von Unfruchtbarkeitsbehandlungen variiert stark, abhängig von der Art der Therapie und den persönlichen Umständen, insbesondere dem Alter – mit zunehmendem Alter sinken die Chancen.18,19
Behandlungen sind am ehesten für Frauen von Nutzen, deren Unfruchtbarkeit auf Probleme mit dem Eisprung zurückzuführen ist.17 Um die Eierstöcke zur Freisetzung der Eizelle anzuregen, werden diesen Frauen häufig verschiedene Medikamente verschrieben, die die Produktion bestimmter Hormone steigern oder senken. Es ist wichtig zu bedenken, dass die Reaktion auf diese Medikamente unvorhersehbar sein kann.20
Ein chirurgischer Eingriff kann auch zur Behandlung bestimmter Grunderkrankungen beitragen, wie beispielsweise verstopfte oder vernarbt Eileiter, sowie zur Entfernung von Gebärmuttermyomen, Polypen oder Endometrioseherden. Tatsächlich kann ein chirurgischer Eingriff bei minimaler oder leichter Endometriose die Chancen auf eine Schwangerschaft verdoppeln.21
Wenn Medikamente oder ein chirurgischer Eingriff nicht helfen, entscheiden sich viele Paare für eine assistierte Befruchtung. Die Art der Assistenz hängt von den Ursachen der Unfruchtbarkeit, dem Alter und einer möglichen Vorgeschichte früherer Schwangerschaften ab.
Etwa 30 % der ersten vollständigen In-vitro-Fertilisationszyklen (IVF) führen zur Geburt eines Kindes. Die kumulative Erfolgsrate liegt bei vielen Patientengruppen nach drei vollständigen Zyklen bei über 50 %.22
Die IVF ist nur eine von mehreren Möglichkeiten der assistierten Reproduktion, die Frauen zur Verfügung stehen. Hier ein Überblick:
Intrauterine Insemination (IUI): Dabei wird das Sperma zum Zeitpunkt des Eisprungs mithilfe eines kleinen Katheters direkt in die Gebärmutter eingebracht.
In-vitro-Fertilisation (IVF): Eizellen werden aus den Eierstöcken der Frau entnommen und in einer Petrischale mit Sperma befruchtet. Die Embryonen werden in die Gebärmutter übertragen oder können für eine spätere Verwendung eingefroren werden.
Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI): Ein Verfahren, das der IVF ähnelt, bei dem jedoch im Falle der ICSI ein ausgewähltes Spermium im Labor direkt in die Eizelle injiziert wird. Der Embryo wird anschließend in die Gebärmutter übertragen.
Spendersamen*: Spendersamen wird entweder in die Gebärmutter injiziert oder zur Befruchtung der Eizellen im Labor verwendet. Diese Methode kommt zum Einsatz, wenn der Mann eine geringe Spermienzahl aufweist oder gar keine Spermien produziert.
Eizellspende*: Eizellen einer anderen Frau können mit dem Sperma deines Partners zusammengebracht werden. Der daraus entstehende Embryo wird anschließend in deine Gebärmutter implantiert.
Leihmutterschaft*: Eine andere Frau trägt das Baby bis zur Geburt aus. Der Embryo kann auch gespendet sein.
Prävention – was du heute tun kannst
Leider lässt sich gegen genetisch bedingte Unfruchtbarkeit nicht viel unternehmen. In manchen Fällen kannst du jedoch Maßnahmen ergreifen, um die Chancen auf eine Empfängnis und eine gesunde Schwangerschaft möglicherweise zu erhöhen.23
Vermeide zunächst übermäßigen Alkoholkonsum und Rauchen. Beides wirkt sich negativ auf die Fruchtbarkeit aus. Übergewichtige und untergewichtige Frauen haben ein erhöhtes Risiko für Ovulationsstörungen. Paradoxerweise ist auch zu viel Sport nicht gut. Anstrengendes, intensives Training von mehr als fünf Stunden pro Woche wird mit einer verminderten Ovulation in Verbindung gebracht. Ebenso wichtig ist es, sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen.24
Und wir können es nicht oft genug betonen: Gehe zu deinem Frauenarzt, lass dich regelmäßig untersuchen und besprich deine Bedenken, wenn dir etwas komisch vorkommt oder nicht richtig erscheint.
Quellen:
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29555319/
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4424520/#CR11
- https://www.betterhealth.vic.gov.au/health/conditionsandtreatments/infertility-in-women
- https://www.medicalnewstoday.com/articles/323401#signs-of-infertility-in-women
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12923157/
- https://www.ucsfhealth.org/education/conception-how-it-works
- https://www.thewomens.org.au/health-information/fertility-information/getting-pregnant/ovulation-and-conception
- https://www.nichd.nih.gov/newsroom/releases/081110-stress-delay-women-getting-pregnant
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3461927/
- https://www.reproductivefacts.org/news-and-publications/patient-fact-sheets-and-booklets/documents/fact-sheets-and-info-booklets/age-and-fertility/
- https://www.nhs.uk/conditions/polyendocrine-metabolic-ovarian-syndrome-pmos/
- http://www.fertilityanswers.com/wp-content/uploads/2016/04/fibroids-and-fertility.pdf
- https://www.nichd.nih.gov/health/topics/infertility/conditioninfo/causes/causes-female#f12
- https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/endometriosis
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3016139/
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5816239/
- https://www.nichd.nih.gov/health/topics/infertility/conditioninfo/treatments/treatments-women#f1
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22738098/
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16471151/
- https://www.betterhealth.vic.gov.au/health/conditionsandtreatments/infertility-in-women
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4498168/
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26717030/
- https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/female-infertility/symptoms-causes/syc-20354308
- https://americanpregnancy.org/pregnancy-complications/stds-and-pregnancy/
* Diese Optionen sind aufgrund unterschiedlicher gesetzlicher Bestimmungen nicht in allen Ländern verfügbar.
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